Klima

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das Klima in dem wir leben, ist keine Selbstverständlichkeit! Es gab von jeher starke Schwankungen der mittleren Temperaturen in der Erdgeschichte. Eis- und Warmzeiten standen in ständigem Wechsel, und die Natur passte sich an. Erst die seit 13.000 Jahren anhaltende Interglazialzeit (Warmzeit) ermöglichte es den Hominiden sich zu entwickeln. Hominiden, das sind wir, der moderne Mensch, der vor 10.000 Jahren mit Ackerbau begann, sich zu kultivieren.

Unser Klima steht damit seit der Würmeiszeit, dem letzten Glazial, im Einklang mit seinen klimawirksamen Gasen. Die angenehme Folge für die heutige Menschheit in Europa ist, dass wir dadurch vier Jahreszeiten genießen dürfen, mit einer mittleren Erdtemperatur von 15 Grad Celsius. Leider lernte der mit evolutionärem Verstand ausgestattete Mensch nicht, die Gabe der Natur zu schätzen. Denn er verbrennt, was die Erde aus guten Gründen Jahrmillionen gesammelt und gespeichert hat. Kohle, Öl und Gas werden zur kurzfristigen Energiegewinnung atmosphärisch freigesetzt. Kohlenstoff und biogener Sauerstoff verbindet sich erneut zum Klimakiller. Es entsteht Chaos, wie am Beginn der Schöpfung!

Kritiker behaupten, dass der Mensch das Klima mit der fossilen Verbrennung nicht beeinflussen kann. Sie zeigen auf, dass der Abstand zur Sonne nicht konstant ist, sich alle 100.000 Jahre verändert, die Erde in einem Zeitraum von 40.000 Jahren „kippt“ und alle 23.000 Jahre „wackelt“. Und sie haben recht! Es gibt Faktoren, die der Mensch nicht beeinflussen kann. Die Zeiträume dieser Veränderungen sind jedoch so langwierig, dass wir sie zur aktuellen Klimaproblematik getrost vernachlässigen können. Es ist ein makabres Schauspiel, mit ungewissem Ausgang, das hier betrieben wird. Denn wir wissen, die Klimaerwärmung ist schuld! Wer allerdings Schuld an der Klimaerwärmung ist, darüber streiten wir uns in unverantwortlicher Weise immer noch!


Den überzeugendsten Nachweis des kausalen Zusammenhangs zwischen den klimawirksamen Gasen und der Erdtemperatur lieferten uns in den letzten Jahren Bohrkerne aus den antarktischen Eismassen. Mehr als 3.300 Meter tief wurde in der Ostantarktis, Station Vostok, geteuft. Der Bohrkern aus Eis offenbarte die Klimageschichte der letzten 420.000 Jahre. Informationen über Temperatur, Niederschläge, Vulkanismus, Aerosole und atmosphärische Spurengase konnten wie aus einem Tagebuch abgelesen werden. Erschreckend war die Feststellung, dass das Klima nicht stabil, sondern starken Veränderungen unterlegen war. Immer nach einem Höhepunkt der Kohlendioxid- und Methankonzentrationen versank die Erde für mehrere einhunderttausend Jahre in einen Winterschlaf. Erst nach der letzten Eiszeit stabilisierte sich, für eine ungewöhnlich lange Zeit, das Klima mit seinen Treibhausgasen. Die Zeitperiode des Holozän begann vor 13.000 Jahren und dauert bis heute an.

Das Gleichgewicht beruht auf der Aufnahme, respektive Abgabe von Kohlendioxid und Sauerstoff, der Pflanzen der Meere und Urwälder. Die Photosynthese, als wichtigste chemische Reaktion auf Erden, hat dieses Wunder vollbracht. Das Klimatagebuch aus Vostok belegt, dass während der Interglaziale die maximalen Kohlendioxid- und Methanwerte um 300 ppm (parts per million) bzw. 780 ppb (parts per billion) lagen. Die heutigen Werte liegen bereits bei 370 ppm bzw. 1.700 ppb. Derartig hohe Treibhausgas-Anteile hat es während der vergangenen 420.000 Jahre zu keiner Zeit gegeben.

Die unerfreulichen Werte der klimawirksamen Gase haben ihren Ursprung in der Industrialisierung. Spätestens seit 1890 erlebten wir die weitgehende Mechanisierung und Automation, beruhend auf der Kraft der Verbrennung fossiler Energieträger. Damit emittiert der Mensch künstlich biogenen Müll, der besser als Kohle, Öl und Gas im Boden gespeichert geblieben wäre. Und wider besseren Wissens, produzieren wir täglich weitere Wärmekraftmaschinen für unsere Automobile, Wärmeerzeugungsanlagen für unsere Häuser und Kohle- bzw. Gaskraftwerke für die fossile Stromerzeugung. Damit verstärken wir unaufhörlich den anthropogenen, von Menschen gemachten, Treibhauseffekt. Eine Ende ist leider noch lange nicht in Sicht. Aufgeklärte Politiker verhalten sich wie Paladine der fossilen Lobby.


Sollte der Trend der künstlich erzeugten Temperaturerhöhung weiter durch die Emissionen klimawirksamer Gase verstärkt werden, dürften bald „Turboeffekte“ auftreten. Zur Apokalyptik gehören das Pausieren des Golfstroms genauso, wie das Auftauen der weltweiten Permafrostgebiete. Letzteres mit Freisetzung des in unendlich großen Mengen gespeicherten hochklimawirksamen Gases Methan (CH-4-). Die Folgen werden neben denen, die wir bereits als Warnhinweise erhalten haben, für die Masse der bald sieben Milliarden Menschen unlösbar sein. Beispielhaft dafür ist die Temperaturerhöhung der Weltmeere. Das bekannte physikalische Grundprinzip der Ausdehnung erwärmenden Wassers, wird nicht nur die Pole weiter schmelzen lassen, sie wird ganze Küstengebiete, vielleicht das gesamte Amazonasbecken unter Wasser setzen. Überschwemmung und Landknappheit auf der einen, Dürre auf der anderen Seite. Es braucht nicht viel, nur zwei oder drei Jahre Wüstenklima in den Kornkammern Amerikas! Weiter nicht zu beschreiben und der Phantasie überlassen, die uns dann bevorstehenden globalen Auseinandersetzungen um Land, Trinkwasser und Nahrung.

Wie sehr uns bereits die Klimaveränderung in den letzten Jahren getroffen hat, zeigen die „topics“ der Münchener Rückversicherung AG. Jedes Jahr erscheint eine neue Auflage. Im Jahresrückblick werden die globalen Naturkatastrophen dokumentiert sowie deren volks-, wie betriebswirtschaftlichen Kosten aufgezeigt. Die Tendenz ist volkswirtschaftlich so alarmierend, dass spätestens mit Auflegung dieser Zahlen, sogar die politischen Hardliner der „günstigen“ fossilen Energien, wachgerüttelt werden müssten. Nur 25% der weltweit anfallenden Kosten sind im Mittel versicherte Schäden. 75% gehen zu Lasten der Volkswirtschaft und damit auf den Steuerhaushalt sowie auf das Konto individueller Schicksalsschläge.

Ein massives Beispiel hierfür war die große Überschwemmung an Elbe, Moldau, Donau und ihren Nebenflüssen im August 2002. Sie verursachten europaweit volkswirtschaftliche Schäden in Höhe von 18,5 Mrd. US$, „über“ oder besser gesagt „nur“ 3 Mrd. US$ waren versichert. Ein weiteres „topic“, die drei heißesten Jahre seit Beginn der Temperaturaufzeichnung. Durch diverse Klimaanomalien wurden weltweit 1998, 2002 und 2003 enorme Schäden verursacht. Herausragend hier, die Waldbrände in Kalifornien 2003 und die unglaublichen Tornadoserien!


Damit stellt sich eine einfache Frage: „Wie lange können und wollen sich die Volkswirtschaften die Fehler der Vergangenheit noch leisten?“ Die steigenden Kosten der Umweltschäden werden die globalen Marktwirtschaften bis zum Zerbersten belasten. Schuld daran ist die kapitalistische Marktwirtschaft selbst, da sie in gestrigen, wie heutigen Tagen unüberlegt handelt. Sie ist zwar „frei“, aber noch lange nicht „fair“! So rechnet sie als Exempel, obwohl im kausalen Zusammenhang stehend, keine Umweltkosten auf die Energiepreise an. Hochsubventionierte fossile und atomare Energien sind daher seit jeher unschlagbar günstig für den Endverbraucher zu beziehen.

Um diese Energiepreise auch künftig mit regenerativen Energien gewährleisten zu können, wird staatliche Subvention unumgänglich sein. Innovative neue, rettende nachhaltige Energieerzeugung muss den Anspruch der Beihilfe erheben, um vollständig konkurrenzfähig zu werden. Dies setzt die Akzeptanz der Gesellschaft und Politik voraus sowie dem „Wollen“ der Wirtschaft. Die Substitution der fossilen, schwarzen in eine nachhaltig, sonnige Energieerzeugung, wie dem des chemischen Sonnenspeichers »Wasserstoff«, würde damit in greifbare Nähe rücken.

Es gibt viele Möglichkeiten etwas zu verändern. Wir haben nicht mehr die Zeit, lange darüber nachzudenken!

Wir müssen es verändern – sofort!

Marcus Reichenberg